Proteinpulver – Ein Bewertungsansatz

Immer mehr Menschen befassen sich mit ihrer Gesundheit, Sport und Ernährung. Früher oder später erfährt man über Wunder bewirkende Nahrungsergänzungsmittel und möchte unbedingt ebenfalls von den Versprechen profitieren. Dementsprechend wundert es kaum, dass immer mehr Marken und Anbieter Produkte auf den Markt bringen und mit bester Qualität, unschlagbarem Preis oder besonderem Geschmack werben.

In diesem Artikel wird ein kleiner Leitfaden für die Beurteilung des beliebtesten Nahrungsergänzungs-Präparats beschrieben – dem Proteinpulver.

Es werden thematisiert:

1 Verpackung
2 Inhaltsstoffe
2.1 Proteinquelle
2.2 Emulgator
2.3 Süßstoffe
2.4 Farbstoffe
2.5 Aromen
2.6 Vitamine und andere Zusätze
3 Nährwerte
4 Aminosäurenprofil
5 Vitamine-Profil
6 Geschmack
7 Preis


1 Verpackung

Die verbreitetsten Verpackungsformen sind die Dosen und Standbeutel, von 250 Gramm bis zu mehreren Kilogramm. Ein richtig oder falsch gibt es in dieser Hinsicht wohl kaump_20160731_095008_1_1.jpg

Wie auch alle Lebensmittel sollte die Verpackung – wie auch bei praktisch allen Hinsichten – lichtgeschützt sein. Während Dosen als hochwertiger angesehen werden, sind Standbeutel in der Regel platzsparender, dafür aber auch manchmal weniger sicher verschlossen bzw. fallen eher samt geleertem Inhalt um.

Hier ist ganz einfach der persönlichen Präferenz zu urteilen.


2 Inhaltsstoffe

Ein sehr viel wichtigeres Kriterium ist die anfangs gerne vernachlässigende Zutatenliste. Diese listet (hoffentlich) alle enthaltenen Zutaten in der Reihenfolge ihres Gewichtsanteiles auf. Ein allumfassendes Bild wird man aufgrund der Freiheit der Hersteller in der Produktion verwendeten Verarbeitungshilfsstoffe wahlweise zu deklarieren nicht erhalten. Nicht aufgeführt dürfen diese sofern die Rückstände gesundheitlich unbedenklich sind und es sich nicht um sog. Hauptallergene handelt. Gleiches gilt für in der Herstellung verwendete Lösungsmittel und Trägerstoffe für Zusatzstoffe, Aromen und Vitamine, sofern sie nur in der technologisch erforderlichen Menge verwendet werden.

Auf was kann nun der Endverbraucher dennoch schauen?

2.1 Proteinquelle

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In aller Regel steht an erster bzw. den ersten Stellen die Proteinquelle. Je nach Art des Proteinpulvers kann dies ein tierisches, meist aus Molke stammendes (Whey), oder auch pflanzliches Protein sein. Gründe für die Wahl eines pflanzlichen Proteins können eine vegane Ernährungsform, oder auch eine Lebensmittel Unverträglichkeit sein. Nicht selten beschweren sich Kunden bei minderwertigeren Proteinpulvern über unreine Hautbilder.

Am beliebtesten und als am hochwertigsten angesehen werden die tierischen Eiweiße. Grund hierfür sind eine vergleichsweise höhere biologische Wertigkeit, also der Fähigkeit des menschlichen Körpers die Nährstoffe auch tatsächlich aufzunehmen und der Zusammensetzung der Aminosäuren, der Bestandteile von Proteinen.

Als pflanzliche Proteinquellen werden derzeit Soja, Erbsen, Reis, Weizen oder auch Hanfprotein verwendet. Neben meist schlechterem Geschmack weisen diese geringere Protein-und essentielle Aminosäuren-Anteile auf.

Zu den tierischen Eiweißquellen aus der Milch und Molke zählen das Whey Protein, Mehrkomonentenprotein, Milchproteinpulver und Kasein. Während das Whey schnell vom Körper aufgenommen werden kann, empfehlen sich letztere drei für andere Tageszeiten, sodass beispielsweise das Kasein auch oft als Nachtprotein bezeichnet wird. Eine weitere tierische Proteinart ist das weniger verbreitete Eiklarpulver.

Bei dem Whey unterscheidet man zwischen dem Whey Konzentrat (WPC), Isolat (WPI) und Hydrolysat (WPH). Hierbei handelt es sich um verschiedene Filtrationsverfahren der Molke oder Milch, welche unterschiedliche Makro-Nährstoff Verteilungen ermöglichen. Umso aufwendiger das Verfahren und damit der Proteingehalt höher liegt, desto teurer fallen die Produkte in der Regel aus.

Je nach Produktbezeichnung ist auch eine entsprechende Proteinquelle zu erwarten. Ist das Proteilpulver als Konzentrat deklariert, so sollte außer einem (Whey-)Konzentrat auch keine andere Eiweißquelle aufgeführt sein. Eine verbreitete Methode den Proteinanteil zu erhöhen ist das Zusetzen von günstigen Aminosäuren wie Glycin oder Taurin, welche als Inhaltsstoff der Zutatenliste als solches erkannt werden können.

Andersrum werden teilweise auch die als hochwertig angesehenen verzweigt verketteten essentiellen Aminosäuren (L-Leucin, L-Valin und L-Isoleucin) zugesetzt, welche entsprechend als „höherer BCAA Anteil“ o.Ä. beworben werden.

2.2 Emulgator

Emulgatoren sind Hilfsstoffe, die in der Lage sind, zwei miteinander nicht mischbare Flüssigkeiten zu verbinden.. Hierdurch wird eine bessere Löslichkeit des Pulvers in der Flüssigkeit ermöglicht.

Der meist benutzte Emulgator ist das Lecithin (E322), welches in der Regel aus Sojabohnen gewonnen wird, ist aber auch in Eigelb enthalten. Sofern keine Allergien und Lebensmittel-Unverträglichkeiten zu beklagen sind, ist hier kein weitergehendes Abwägen notwendig.


2.3 Süßstoffe

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Ein durchaus sensibles Thema. Ausgenommen von neutralen Proteinpulvern kommen in der Regel unterschiedliche Süßstoffe zum Einsatz. Dies sind synthetisch hergestellte oder natürliche Verbindungen, die als energiefreier Zuckerersatz dienen und dadurch im Vergleich zum Haushaltszucker die Nährwertbilanz nicht belasten. Viele Langzeitstudien gibt es bislang nicht, sodass auch die Ansichten zweigeteilt ausfallen. Mittlerweile ist jedoch beispielsweise belegt worden, dass Süßstoffe im Gegensatz zu Zucker keine glykämische Reaktion auslösen (kein direkter Einfluss auf Insulin-Spiegel)  und nicht kariogen wirken.

Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den zugelassenen Süßstoffen, wie beispielsweise dem unterschiedlichen ADI-Wert (Acceptable Daily Intake). Auch gerieten einige Süßstoffe wegen in Studien aufgezeigten Schäden-verursachten Eigenschaften in heftige Kritik.

Die gängigsten Süßstoffe und ihre Eigenschaften:

Süßstoff

ADI-Wert
pro kg Körpergewicht

Bekannte Risiken

Süßkraft verglichen mit Zucker

Acesulfam-K
E950
15 mg Keine 130 – 200-fach süßer
Aspartam
E951
0-40 mg Studienlage:

  • Erhöhtes Krebsrisiko
  • Unbedenklich
  • Ungeklärt

Technisch:

Wird im Zuge des Stoffwechsels in seine Bausteine Asparaginsäure, Phenylalanin und Methanol zersetzt und ist daher für Menschen, die mit Phenylketonurie leben nicht geeignet. (Anreicherung der Aminosäure Phenylalanin kann im Körper zu ernsten gesundheitlichen Schäden führen)

200-fach süßer
Cyclamat
E952
11 mg Studienlage:

  • Krebs
  • Tumorbildung
  • Impotenz
  • Ungeklärt

(In den USA verboten)

30 – 50-fach süßer
Saccharin
E954
5 mg Keine 300 – 500-fach süßer
Sucralose

E955

15 mg Keine 600-fach süßer
Thaumatin
E957
Nicht festgelegt Keine

Liefert jedoch als vollständig verwertbares Kohlenhydrat 4 kcal pro Gramm.

2.500-fach süßer
Neohesperidin

E 959

5 mg Keine 400 – 600-fach süßer
Stevia
(Pflanzliche Herkunft)
4 mg Steviol hemmt die männlichen Sexualhormone. 300-fach süßer

2.4 Farbstoffe

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Essen ist eine Sinneserfahrung und das gilt ebenso für Nahrungsergänzungsmittel. Ein roter Proteinshake schmeckt doch gleich sehr viel eher nach Beeren als wenn er nur als solcher deklariert ist. Aus diesem Grunde greifen viele Hersteller auch gerne zu entsprechenden Zusätze, von denen aktuell 320 für Lebensmittel zugelassen sind – mit steigender Tendenz.

Zugelassen bedeutet jedoch nicht automatisch unbedenklich, sodass beispielsweise

  • Azofarben Tartrazin (E 102),
  • Gelborange S (E 110),
  • Azorubin (E 122),
  • Cochenillerot (E 124),
  • Allurarot (E 129) oder
  • der Farbstoff  Chinolingelb (E 104)

nun einen Warnhinweis tragen müssen: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“. Studien zu Folge können diese nämlich Asthma, Hautödemen und andere Nebenwirkungen auslösen.

Generell wird kaum ein Hersteller einen natürlichen Farbstoff nicht als solchen deklarieren wollen. Demnach gilt: stehen vor dem Begriff kein Zusatz „natürliche“ oder ist der Farbstoff wie das Beta-Carotin (nat. Farbstoff) angegeben, ist von einem künstlichen bzw. synthetischen Zusatz auszugehen.

Wie auch in vielen anderen Hinsichten machen auch beim Thema Farbstoffe unbestreitbar die Menge das Gift. Hier sollte im Hinterkopf behalten werden, dass neben Proteinpulver auch viele weitere Lebensmittel Farbstoffe enthalten und sich die Menge schnell summieren kann.


2.5 Aromen

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Würden Proteinpulver nicht schmecken, dürften wahrscheinlich die Hälfte der Konsumenten schnell entfallen. Noch ausgeprägter als bei den Farbstoffen sind zahlreiche Aromastoffe zugelassen und lassen sich grob in natürliche und synthetische kategorisieren. Für deren Einsatz gibt es wie auch für andere Zusatzstoffe gesetzliche Richtlinien (hier).

Wie auch bei den Farbstoffen gilt: sofern nicht als natürlich deklariert, ist von künstlichen Zusätzen auszugehen.

In Schoko-haltigen Geschmacksrichtungen ist oftmals das Kakao(pulver) als Geschmacks- und Farbstoff enthalten.


2.6 Vitamine und andere Zusätze

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Um sich von der Konkurrenz abzuheben integrieren vermehrt Marken besondere Zusätze wie Vitamine, Enzyme u.Ä. in das Proteinpulver. Während einige Substanzen wie Energiestoffwechsel begünstigende Vitamine oder auch Stoffwechsel unterstützende Enzyme durchaus funktional ihre Daseinsberechtigung haben, sind andere eher ein Grund das Produkt als Besonderheit teuer anzubieten.

Bei Vitaminen – insbesondere bei der wasserlöslichen (z.B. B-Vitamine) – ist es grundsätzlich nur sinnvoll verwertbare Mengen zuzusetzen. Ein noch höherer Vitamingehalt klingt zwar verlockend, wird jedoch vom Körper nicht aufgenommen und ist dementsprechend nutzlos. Andere überdosierte Vitamine können sogar unerwünschte Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Herzrhythmusstörungen.

Et iterum: Die Menge macht das Gift.


3 Nährwerte

Die scheinbar vollständig erläuternde Liste mit der Zusammensetzung welche zumindest häufiger als die Zutatenliste gelesen wird.

Ein Proteinpulver dient verständlicherweise der zusätzlichen Eiweißzufuhr, sodass oftmals der Eiweiß Gehalt als Hauptkriterium gesehen wird. Auf vermehrte Aufdeckungen von verzerrten Nährwertangaben und Proteingehalten reagieren mittlerweile einige (hochwertigere) Marken mit dem Kunden zugänglichen Analysen der Produkte, welche ein lobenswertes Qualitätsmerkmal darstellen. Möchte man sich hier noch genauer informieren, empfiehlt es sich über das prüfende Labor oder den Dienstleister, das Datum wie auch das geprüfte Produkt zu informieren. Letzteres aus dem Grund, dass gerne das neutrale Proteinpulver mit besserer Nährwert-Zusammensetzung zur Analyse gegeben wird.
Neben selten gegebenen Referenzen sollten die Nährwerte mit den generell möglichen Werten der entsprechenden Proteinart gegenübergestellt werden. Ebenso dürften identische Nährwerte verschiedener Geschmacksrichtungen ausreichende Gründe zum Zweifel darstellen. Insbesondere Kakao-enthaltene Geschmacksrichtungen weisen in der Regel einen höheren Fettgehalt auf.

Je nach Proteinart kann bezogen auf die neutrale Sorte eine folgende Makro-Verteilung erwartet werden:

Eiweiß Kohlenhydrate Fett
Whey Konzentrat Bis 80 % > 4 % > 5,5 %
Whey Isolat Bis >90 % > 0,5 % > 0,2 %
Casein Bis 90 % > 0,2 % > 1 %
Soja Konzentrat Bis 70 % > 0,3 % > 1,8 %
Soja Isolat Bis 90 % > 0,2 % > 0,6 %
Erbsen Bis 77 % > 3 % >4%
Hanf Bis 56 % > 9 % > 10%
Eiklar Bis 84 % > 0,8 % > 0,2 %

Gelegentlich werben Hersteller mit scheinbar keinem enthaltenen Zucker. Whey Proteinpulver werden, wie es der Name bereits angibt, aus der Molke gewonnen, dessen Kohlenhydrat-Gehalt nahezu vollständig aus Zucker, genauer dem Milchzucker besteht. Würde man demnach der Molke „nur“ Zucker entziehen, zerfällt die molekulare Struktur des Lebensmittels, sodass der eingangs erwähnte Werbespruch kritisch zu bezweifeln ist.


4 Aminosäurenprofil

Die Angabe einer Aminosäurenbilanz ist ein Mindest-Qualitätskriterium, welches bis dato nicht auf allen Proteinpulver Produkten vorzufinden ist. Aminosäuren sind die kleinsten Bausteine der Eiweiße, sodass die Aminobilanz die Wertigkeit des Proteines beurteilen lässt.Aminoprofil

Im Gegensatz zur Nährwertangabe beziehen sich die Werte des Aminosäurenprofiles nicht immer auf 100 g des Proteinpulvers, sondern oftmals auf 100 g des Eiweiß-Rohstoffes. In diesem Fall muss mit geringeren Aminosäure-Anteilen entsprechend dem Proteingehalt des Produktes gerechnet werden.

Um an dieser Stelle nicht zu tief die Theorie zu erläutern, soll ein Beurteilungskriterium für die Ansprüche eines Hobby-Sportlers dargestellt werden, nämlich den verzweigt verketteten Aminosäuren. Üblich aus dem engl. mit BCAA abgekürzt, stellen diese die für den Proteinstoffwechsel, Aufbau und Erhalt neuer Muskelgewebe unabdingbaren Aminosäuren dar, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Bestehend aus L-Leucin, L-Valin und L-Isoleucin sollten diese etwa in dem etablierten Verhältnis von 2:1:1 in der genannten Reihenfolge vorkommen.

Als Richtwert für den gesamten BCAA-Anteil sollte dieser mind. 20 % der Aminosäuren betragen.

Ein gestreckter Eiweiß-Anteil wie er im Abschnitt der Inhaltsstoffe beschrieben wurde (bekannt als Amino-Spiking), lässt sich im bestätigten Fall insbesondere an der Aminosäurenbilanz erkennen.


5 Vitamine-Profil

Immer häufiger wird als Transparenz gegenüber dem Kunden auch ein Vitaminprofil des Produktes angegeben. Im Wesentlichen erscheint diese Angabe einzig bei zugesetzten Vitaminen sinnvoll. Wie der Gehalt von zugesetzten Vitaminen zu beurteilen ist, wurde im Abschnitt 2.6 Vitamine und andere Zusätze kurz erläutert.


6 Geschmack

Das subjektivste Beurteilungskriterium.

Erfahrungsgemäß schmeckt das Proteinpulver in Milch gelöst intensiver. Während Whey Proteine in durchaus sehr leckeren Geschmacksrichtungen angeboten werden, weisen insbesondere die pflanzlichen Proteinarten einen nicht sonderlich wohlschmeckenden Eigengeschmack auf.

Neben den Standard Geschmäckern Vanille, Schoko und Erdbeere lassen sich Hersteller die ausgefallensten Sorten ausdenken. Oftmals schmecken diese besonders beim erstmaligen Probieren atemberaubend, jedoch sollte man sich überlegen, ob man Geschmacksrichtungen wie Apfelkuchen, Rocky Road, Tiramisu und Ähnliche auch tatsächlich regelmäßig verkosten möchte.


7 Preis

Schlussendlich sollte auch das Preisleistungs-Verhältnis stimmen. Wegen dem mittlerweile enorm starken Konkurrenzdruck werden Proteinpulver teilweise ab einem kg Preis ab 6 € angeboten. Oftmals sind Proteinpulver und insbesondere das Whey nicht das Umsatz stärkste Produkt des Sortiments. Umso größer der Hersteller, desto niedrigere Preise können dank großen Absatzmengen ermöglicht werden.
Je nach Proteinart und Qualität kann der kg Preis bis zu 30 € betragen. Wie beim Geschmack muss jeder selber entscheiden welcher Wert der Nahrungsergänzung zugesprochen wird.

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2 Kommentare zu „Proteinpulver – Ein Bewertungsansatz

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